Der Balkon ist der Außenbereich, an dem man mit den meisten Einschränkungen arbeitet. Seine Tiefe übersteigt selten wenige Meter, drei Seiten sind begrenzt, und jeder Eingriff berührt die Nachbarfassade, das Gebäudebild und die Hausordnung. Das richtige Produkt am Balkon ist daher nicht das mit den meisten Funktionen, sondern das, welches der Fläche am wenigsten Platz nimmt und dem Bestand am wenigsten Last aufbürdet. In diesem Beitrag vergleichen wir Balkonlösungen anhand dieser Einschränkungen.
Die erste Frage ist, ob das Problem Sonne, Regen oder Wind ist. Stört nur die Nachmittagssonne, genügt eine Markise. Wollen Sie den Balkon bei Regen nutzen, braucht es eine feste Überdachung. Können Sie wegen Wind nicht draußen sitzen, liegt die Lösung nicht oben, sondern an den Seiten. Wollen Sie ganzjährige Nutzung, kommen Glassysteme ins Spiel. Kosten und statische Anforderungen dieser vier Bedürfnisse unterscheiden sich stark.
Die Kassettenmarkise ist die praktischste Sonnenlösung an schmalen Balkonen. Geschlossen fahren Stoff und Arme vollständig in die Kassette ein; das obere Volumen des Balkons bleibt frei und von außen sieht man nur ein schlankes Profil. Geöffnet spendet sie so viel Schatten wie nötig. Der Hauptvorteil einer Kassettenmarkise am Balkon ist, dass sie im Ruhezustand überhaupt keinen Platz in der Fläche beansprucht.
Bei der Markisenwahl am Balkon ist der Ausfall sorgfältig festzulegen. Fährt die Markise so weit aus, dass sie das Balkongeländer überragt, kann sie den darunterliegenden Balkon verdecken oder im Wind gegen das Geländer schlagen. Richtig ist, den Ausfall auf die Balkontiefe abzustimmen und bei der Besichtigung zu prüfen, dass die Arme im geöffneten Zustand das Geländer nicht berühren. Das ist ein Maßfehler, der sich nachträglich schwer beheben lässt.
Der Zip-Screen ist die Lösung für die Balkonseiten und beantwortet das Windproblem unmittelbar. Da seine Kanten in den Schienen verriegeln, kann er nicht verweht werden; an einem schmalen Balkon ist das ein entscheidender Unterschied zu herkömmlichen Vorhängen. Screen-Gewebe schneidet die Sonne ab und erhält die Aussicht, Kristall-PVC hält Regen und kalte Luft vollständig ab. An Kanten zum Nachbarbalkon mit Sichtschutzbedarf lässt sich Blackout-Gewebe einsetzen.
Der oft übersehene Vorteil des Zip-Screens am Balkon ist, dass er senkrecht arbeitet. Da das System parallel zur Fassade herabfährt, nimmt es dem Balkonboden keinen Platz und verengt die Fläche nicht. Im Ruhezustand rollt der Stoff in die obere Kassette. Da am schmalen Balkon jeder Zentimeter zählt, ist das ein deutlicher Vorsprung gegenüber am Boden stehenden Paneellösungen. Die Gewebearten haben wir in diesem Beitrag verglichen.
Glassysteme machen den Balkon ganzjährig nutzbar, und am Balkon am häufigsten gewählt ist das Vertikalschiebefenster. Die senkrechte Bewegung der Glaselemente bringt am schmalen Balkon einen entscheidenden Vorteil: Beim Öffnen wird weder innen noch außen Platz gebraucht. Bei Falt- oder Schiebesystemen sammeln sich die Elemente an einer Seite und stapeln sich in einem Abschnitt; beim Vertikalschiebefenster entfällt dieses Stapeln.
Vertikalschiebeverglasung bringt ein balkontypisches Nutzungsproblem mit: die Reinigung der Außenseite. In oberen Geschossen ist das Erreichen der Glasaußenseite nicht sicher. Dafür wurde das einziehbare Guillotine-Glas entwickelt; die Elemente lassen sich nach innen kippen, sodass die Außenseite vom Balkon aus gereinigt werden kann. Wohnen Sie in einem oberen Geschoss, ist das weniger Komfort als eine Sicherheitsanforderung.
Die Erwartungsseite der Glassysteme gehört geklärt. Einfach verglaste Systeme ohne Isolierglas dämmen nicht; sie halten Wind und Regen ab, liefern aber keine Innenraumtemperatur. Auf einem im Winter geschlossenen Balkon steigt die Temperatur an sonnigen Tagen und liegt nachts nahe der Außentemperatur. Der Balkon wird damit ein Zwischenvolumen: eine dem Wohnraum vorgelagerte Pufferzone. Die Erwartung eines beheizten Zimmers ist nicht richtig.
Kondensat ist auf einem verglasten Balkon ein wichtiges Thema. Feuchte Luft aus dem Innenraum bildet an der kalten Glasfläche Beschlag und Tropfen; wiederholt sich das dauerhaft, wird daraus ein Schimmelrisiko an Rahmenkanten und Wand. Die Abhilfe ist nicht, den Balkon völlig dicht zu machen, sondern regelmäßiges Lüften. Deshalb ist es wichtig, dass sich ein Teil der Elemente leicht öffnen lässt.
Ist an oben offenen Balkonen eine Überdachung nötig, wird die Verankerungskapazität entscheidend. Gibt es über dem Balkon eine tragende Decke, lässt sich eine hängende Pergola an der Decke abhängen und nimmt vom Boden keine Stützen. Ist der Balkon nach oben völlig offen, liegt die Last auf der Fassade; die Verankerung eines Kragsystems muss dann in einen Stahlbetonträger oder eine Stütze erfolgen. Das Balkongeländer ist kein tragendes Bauteil und taugt nicht als Ankerpunkt.
Die statische Einschränkung ist am Balkon stets der erste zu prüfende Punkt. Die Balkonplatte ist meist ein dünnes, auskragendes Stahlbetonbauteil mit begrenzter Tragfähigkeit. Ein schweres System, dickes Glas oder eine massive, am Boden stehende Konstruktion können diese Kapazität überfordern. Deshalb werden am Balkon leichte Aluminiumtragwerke und senkrecht arbeitende Systeme bevorzugt. Im Zweifel sollte die Statik eingesehen werden.
Genehmigung und Zustimmung der Verwaltung wiegen bei Balkonanwendungen so schwer wie die Technik. In Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen unterliegen Eingriffe, die das Fassadenbild ändern, meist der Hausordnung und können einen Eigentümerbeschluss erfordern. Eine Verglasung wird in manchen Kommunen zusätzlich beurteilt. Um Konflikte mit Nachbarn zu vermeiden, ist es zudem praktisch geboten, Farbe und Profil an die im Gebäude vorhandenen Ausführungen anzupassen. Wir empfehlen, diese Schritte vor der Umsetzung zu klären.
Eine praktische Reihenfolge nach Budget und Bedarf: Besteht nur ein Sonnenproblem, ist die Kassettenmarkise die kostengerechteste Lösung. Geht es um Wind und seitliche Sonne, kommt ein Zip-Screen dazu. Wollen Sie auch bei Regen nutzen, braucht es eine feste Überdachung. Zielen Sie auf ganzjährige Nutzung, geht es zum Vertikalschiebesystem. Diese Stufen schließen einander nicht aus; mit einer Markise zu beginnen und im Folgejahr einen Zip-Screen zu ergänzen, ist ein üblicher Weg.
Zusammengefasst ist die richtige Balkonlösung eine Wahl, die bei den Einschränkungen der Fläche beginnt: Tiefe, Tragfähigkeit, Verhältnis zur Nachbarfassade und Hausordnung. Systeme, die im Ruhezustand keinen Platz nehmen, senkrecht arbeiten und leichte Tragwerke haben, liegen am schmalen Balkon stets vorn. Glaslösungen am Balkon haben wir auch in diesem Beitrag behandelt; den passenden Aufbau legen wir bei der Besichtigung gemeinsam fest.
Um die zu Tiefe, Ausrichtung und Tragfähigkeit Ihres Balkons passende Lösung zu bestimmen, fordern Sie eine kostenlose Besichtigung an.
Häufig gestellte Fragen
Das Vertikalschiebefenster. Da sich die Elemente senkrecht bewegen, braucht es beim Öffnen weder innen noch außen Platz; bei Falt- und Schiebesystemen sammeln sich die Elemente an einer Seite und stapeln sich dort.
Nein. Das Geländer ist kein tragendes Bauteil. Die Verankerung muss in einen Stahlbetonträger oder eine Stütze erfolgen; auch die Tragfähigkeit der Balkonplatte ist gesondert zu beurteilen.
Einfach verglaste Systeme ohne Isolierglas dämmen nicht; sie halten Wind und Regen ab. Der Balkon wird zur Pufferzone zwischen Wohnraum und Außen; die Erwartung eines beheizten Zimmers wäre nicht richtig.