Guillotine-Glas ist ein Verglasungssystem, bei dem sich die Glaselemente vertikal statt horizontal bewegen. Die Elemente werden von einer in den seitlichen Aluminiumkassetten verborgenen Mechanik nach oben gehoben und stapeln sich oben übereinander. Vollständig geöffnet bleibt vor Ihnen kein senkrechtes Profil, keine Schiene und kein Flügel; die Öffnung ist vollständig frei. In diesem Beitrag betrachten wir, wie Guillotine-Glas arbeitet, wann es die richtige Wahl ist und worauf zu achten ist, um einen Außenbereich ganzjährig bewohnbar zu machen.
Das Funktionsprinzip trägt den Namen des Guillotine-Fensters. Jedes Glaselement bewegt sich vertikal in Führungen innerhalb der Seitenkassetten. Zwei gängige Verfahren erzeugen diese Bewegung: ein Gegengewichtssystem und ein motorisiertes System. Beim Gegengewicht wird das Gewicht des Elements durch ein Ausgleichsgewicht in der Kassette ausbalanciert; das Element lässt sich leicht von Hand heben und bleibt auf jeder Höhe stehen. Beim motorisierten System erfolgt die Bewegung über einen Rohrmotor, gesteuert per Fernbedienung, Wandtaster oder App.
Der deutlichste Vorteil von Guillotine-Glas: Geöffnet bleiben Boden- und Seitenbereiche völlig frei. Bei Schiebeglassystemen stapeln sich die Flügel beim Öffnen an einer Seite; dieser Abschnitt bleibt dauerhaft geschlossen und unbrauchbar. Bei Faltglassystemen sammeln sich die Flügel ziehharmonikaartig und bilden ebenfalls ein Paket an einer Seite. Beim Guillotine-System entfällt dieser Verlust; da die Elemente nach oben fahren, bleibt die gesamte horizontale Breite der Öffnung nutzbar. Besonders auf schmalen Balkonen ist das ein entscheidender Unterschied.
Der zweite wichtige Vorteil ist die abgestufte Belüftung. Da sich die Elemente auf jeder Höhe stoppen lassen, können Sie unten öffnen und oben geschlossen halten und so den Luftstrom kontrollieren. Von unten einströmende kühle Luft drückt warme Luft nach oben - so kühlen Sie den Bereich, ohne ihn ganz zu öffnen. Bei Schiebesystemen beschränkt sich die Belüftung auf die Flügelöffnung und lässt sich nicht so fein abstimmen.
Auch beim Ausblick punktet Guillotine-Glas. In geschlossener Stellung sind die waagerechten Stoßlinien zwischen den Elementen schmal und lassen sich so planen, dass sie außerhalb der Augenhöhe liegen. Bei Schiebesystemen teilt der senkrechte Rahmen jedes Flügels das Sichtfeld. Auf Terrassen mit Meer-, Wald- oder Stadtblick ist der Unterschied spürbar; Guillotine-Glas schneidet den Ausblick mit einer waagerechten Linie, statt ihn durch senkrechte Stäbe zu zergliedern.
Die Glassicherheit ist bei Außensystemen das kritischste Thema. Bei Guillotine-Anwendungen kommt kein normales Floatglas zum Einsatz; meist wird 8 mm Einscheibensicherheitsglas bevorzugt. Das Vorspannen macht das Glas etwa vier- bis fünfmal fester als gewöhnliches Glas und verändert das Bruchverhalten: Es zerfällt in kleine Krümel mit stumpfen Kanten statt in scharfe Splitter. In Obergeschossen und Bereichen mit Kindern lohnt zudem Verbundsicherheitsglas, bei dem die Bruchstücke an der Zwischenschicht haften bleiben.
Die Abdichtung ist die meistgestellte Frage. Zwischen den Elementen und in den Kassetten sitzen Bürstendichtungen; sie verringern die Reibung beim vertikalen Verfahren und halten geschlossen Wind und Staub ab. Eine Bürstendichtung ist nicht so luftdicht wie die EPDM-Dichtungen in Tür- und Fenstersystemen - Guillotine-Glas schafft daher einen geschützten halboffenen Bereich und keinen beheizten Innenraum. Für die Winternutzung ist es zusammen mit einem Infrarotheizgerät zu planen.
Die Reinigung wird bei der Systemwahl oft übersprungen. Bei Standard-Guillotine-Glas ist die Außenseite der Elemente in Obergeschossen schwer zu reinigen, weil sie von außen nicht erreichbar ist. Kippbares Guillotine-Glas löst genau das: Da sich die Elemente nach innen kippen lassen, wischen Sie die Außenseite sicher von innen. In Obergeschossen und an windexponierten Fassaden sehen wir diese Eigenschaft als Standardanforderung.
Guillotine-Glas passt nicht zu jeder Öffnung; es gibt Maßgrenzen. Je breiter ein Element, desto schwerer wird es und desto höher die Last auf Mechanik und Kassette. Breite Öffnungen werden deshalb nicht mit einem Element, sondern mit mehreren Modulen gelöst. Auch die Elementhöhe zählt: Da sich die Elemente oben stapeln, muss oberhalb genügend Kassettenhöhe vorhanden sein. Bei der Besichtigung bewerten wir Breite, Höhe und den Freiraum darüber gemeinsam.
Bei der Montage ist entscheidend, die Kassetten an einem tragfähigen Bauteil zu befestigen. Guillotine-Kassetten tragen ihr Eigengewicht und die bewegte Last der Elemente; die Verankerung muss daher in einen Stahlbetonträger, eine Stütze oder eine Wandscheibe erfolgen. Eine nur in Porenbeton oder Lochziegel befestigte Kassette wirkt anfangs unauffällig, verschiebt sich aber mit der Zeit und stört den ruhigen Lauf der Elemente. Deshalb prüfen wir die Tragfähigkeit der Fassade bei der Besichtigung gezielt.
Guillotine-Glas sollte als Teil eines Systems gedacht werden, nicht für sich allein. Wenn oben ein Glasdach oder eine bioklimatische Pergola, seitlich Guillotine-Glas und bei Bedarf Zip-Screens zusammenkommen, wird der Außenbereich bei jedem Wetter zu einem geschützten Raum. Dieses Ganze von Anfang an zu planen ist wichtig; stimmen Farbe, Profillinie und Automationslogik überein, wirkt das Ergebnis wie ein architektonisches Stück.
Der Vergleich mit anderen Glassystemen erleichtert die Wahl. Schiebeglas ist an langen Fassaden wirtschaftlicher und gibt vollständig geöffnet einen breiten Durchgang frei - praktisch, wo direkter Gartenzugang gewünscht ist. Faltglas sammelt die Flügel an einer Seite und gibt nahezu die ganze Öffnung frei. Guillotine-Glas kommt an kurzen, breiten Fassaden zur Geltung sowie überall dort, wo Ausblick und Bodenfläche zählen.
Die Pflege betrifft drei Komponenten: Glasfläche, Führungen und Dichtungen. Glas wird mit handelsüblichem Glasreiniger und Mikrofasertuch gereinigt; Scheuerschwämme und Metallschaber sind zu vermeiden. Staub und Sand in den Führungen der Kassetten erschweren die Elementbewegung - regelmäßige Reinigung dieses Bereichs verlängert die Lebensdauer der Mechanik. Schmutz auf den Bürstendichtungen mit einem feuchten Tuch abzuwischen erhält die Dichtwirkung.
Gegengewichts- und Motoreinstellung erfordern dagegen keinen Eingriff des Nutzers. Ob das Element oben sicher hält, beim Absenken kontrolliert läuft und der Motor seine Endpunkte korrekt erkennt, hängt von Einstellungen des Serviceteams ab. Ein von selbst absinkendes oder nicht vollständig schließendes Element geht meist auf verstellte Werte zurück und wird durch einen kurzen Serviceeinsatz behoben.
Für wen eignet sich Guillotine-Glas? Für Eigentümer schmaler Balkone, die keine Bodenfläche verlieren möchten, für Terrassen mit wichtigem Ausblick, für Cafés und Restaurants, die ihren Außenbereich über die Saison nutzen wollen, für alle, die einen Wintergarten planen, sowie für alle, die in Obergeschossen sicher reinigen möchten. An langen Fassaden und bei budgetbestimmten Aufgaben kann Schiebeglas die sinnvollere Antwort sein.
Zusammengefasst ist Guillotine-Glas eine Verglasungslösung, die dank vertikaler Bewegung weder Boden- noch Seitenfläche beansprucht, abgestufte Belüftung ermöglicht und den Ausblick nicht zergliedert. Für ein gutes Ergebnis braucht es Einscheibensicherheitsglas, in Stahlbeton verankerte Kassetten, auf das Elementgewicht abgestimmte Module und in Obergeschossen die kippbare Variante. Sehen Sie sich unsere Guillotine-Glassysteme an - die passende Lösung für Ihren Bereich legen wir gemeinsam fest.
Um zu klären, ob Guillotine-Glas zu Ihrem Balkon oder Ihrer Terrasse passt, fordern Sie eine kostenlose Besichtigung an.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Da die Elemente nach oben fahren und sich dort stapeln, beanspruchen sie weder Boden noch Seiten; die gesamte horizontale Breite der Öffnung bleibt nutzbar.
Beim kippbaren Guillotine-Modell lassen sich die Elemente nach innen kippen, sodass Sie die Außenseite sicher von innen wischen. In Obergeschossen empfehlen wir dieses Modell.
Nein. Bürstendichtungen halten Wind und Staub ab, sind aber nicht so luftdicht wie ein Fenster mit EPDM-Dichtung; für die Winternutzung ist ein Infrarotheizgerät einzuplanen.